Ich erinnere mich noch genau, es war jedes Jahr der gleiche Ablauf: «Als ich Kind war wurde am Heiligabend immer die Wohnzimmertüre geschlossen, Vater und Mutter schmuggelten den Weihnachtsbaum und die Geschenke ganz heimlich ins Wohnzimmer – dann kam der Augenblick – die Türe ging auf und wir Kinder sahen mit einem Ahhh und Ohhh auf den Lippen die leuchtenden Kerzen!» Auch das ist mir geblieben: «Immer wenn wir zu Grossmutter Hulda zu Besuch gingen, stieg uns schon beim Eingang dieser ganz typische «Grossmutter-Hulda-Geruch» in die Nase und dann wussten wir genau, jetzt gibt es etwas zu schlecken oder ein Stück Schokolade. Dies gehörte einfach dazu.» Beide Handlungen waren uns wichtig, wir wussten, dass sie kommen würden und sie gaben uns eine Art Vorfreude aber auch Sicherheit - es waren Rituale!
Alles was im Alltag regelmässig und immer wiederkehrend vorkommt hat Wert für die betreffenden Personen. Damit meine ich nicht das Zähneputzen am Abend oder das Pedal treten beim Fahrradfahren. Nein, ich meine die Rituale, die den Alltag einer Person oder einer Familie prägen.
Halte einmal einen Augenblick inne und überlege dir welche Handlungen, in deinem Alltag täglich oder sogar mehrmals täglich vorkommen? Oft sind es Gewohnheiten, die sich halt eingespielt haben – es sind unbewusste Rituale. Nun wirst du feststellen, dass es Rituale gibt, die dir Freude bereiten, wenn sie dir bewusst werden. Andere lassen dich erstaunt fragen: «Was? Gar nicht bemerkt, dass mir das so wichtig ist?» Dies wiederum gibt dir die Möglichkeit, es so zu belassen oder aber etwas daran zu ändern.
Rituale prägen nicht nur Werte in einer Familie, sie geben auch Sicherheit. Man ist effizienter, wenn ein Ablauf ritualisiert ist. Warum gewöhnt man wohl ein Neugeborenes so schnell wie möglich an einen Rhythmus, geht immer in denselben Laden einkaufen oder tankt an der gleichen Tankstelle? Die Handlung braucht weniger Energie. Rituale prägen auch Werte innerhalb einer Familie. Was bei dir in der Familie tagtäglich geschieht zeigt, was in eurer Familie wichtig bzw. normal ist.
Und nun stellt sich die grosse Frage: «Wie normal ist Gott bei euch zuhause».
Es gibt Familien, bei denen Gott und Glaube im Alltagsrhythmus gar keinen Platz haben. In anderen Familien wachsen die Kinder auf und kennen nur ein Sonntagsritual in Bezug auf Gott oder sogar nur ein Festtagsritual zu Weihnachten, Ostern usw. Bei einer solchen Konstellation taucht Gott nur punktuell mehr oder weniger auf im Alltag. Manche Kinder wachsen in einer Familie auf, in der Gott zum Lebensrhythmus gehört, aber diese Rituale haben einen eigenartigen Beigeschmack – sie wirken irgendwie aufgesetzt. Wiederum bei anderen Familien hat es sich eingelebt, dass Gott immer da ist und man immer zu ihm reden kann. Da hört man die Mutter in der Küche ein Loblied singen, den Vater am Telefon ein kurzes Gebet sprechen und das Töchterchen der Puppe eine biblische Geschichte erzählen – ganz natürlich.
Dass dieses «ganz normal mit Gott leben in der Familie» nicht einfach ist und mit Vorteil ganz bewusst ritualisiert werden sollte, wusste schon Mose. Er hat das in 5.Mose 6-8 dem ganzen Volk eingeschärft (frei zusammengefasst): «Wenn ihr diese Wahrheiten in den Herzen der Kinder verankern wollt, müsst ihr in euren Familien bewusst Rituale entwickeln. In Zukunft wird es eine Menge Dinge geben, die euch ablenken. Ihr werdet euch niederlassen. Ihr werdet Wohlstand haben. Ihr werdet euch mit anderen Dingen beschäftigen. Das Leben wird anstrengend sein und ihr werdet erleben, wie leicht man einen alltagsrelevanten Glauben aus dem Blick verliert.»
Man kann Rituale bewusst einführen aber auch abschaffen, wenn man feststellt, dass sie mehr schaden oder hindern im Familienalltag oder der Beziehung zu Gott.
Überlege dir, was du in deiner Familie – in deinen Kindern – als wichtige Werte verankern willst. Versuche Rituale zu kreieren, mit denen du diese Werte umsetzen kannst und führe diese Rituale mit Geduld ein.
Abschliessend möchte ich einige Familien zu Wort kommen lassen:
«In der Zeit der Oberstufe / Lehre haben wir als Familie regelmässig am Sonntagabend die kommende Woche besprochen und auch dafür gebetet. Das war super, man hat da auch erfahren, was die anderen in der Familie gerade beschäftigt.»
«Bevor unsere Kinder das Haus verlassen wollen wir sie ganz bewusst segnen. Es ist eine hektische Zeit, aber es ist uns sehr wichtig.»
«Wir beten immer vor dem Essen.»
«Wenn wir was erlebt haben mit Gott, dann rufen wir unsere ganze Familie zusammen und erzählen uns das Erlebnis. Die Kinder sollen das mitbekommen. Kinder machen das noch nicht so (Alter 3; 6; 7). Sie erzählen eher am Mittagstisch.»
«Als Eltern setzen wir uns regelmässig mit den Kindern am Abend an den Bettrand und fragen, was hat dir heute am besten gefallen – dann tauschen wir aus und beten noch zusammen.»
«Bei uns in der Familie hat es dazu gehört, dass wir am Sonntag in den Gottesdienst gegangen sind. Ich bin auch gerne gegangen. Es ist die gleiche Gemeinde, in der ich heute noch bin.»
Möchtest du mehr Wissen zu den Familienwerten von ORANGE LEBEN, dann empfehle ich dir die Seite orangeleben.ch

Hans Forrer
ehem. Bereiche Kinder und ORANGE LEBEN








