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Wie bleibt eine Kirche jung und dynamisch – über Generationen hinweg?
Wie bleibt eine Kirche jung und dynamisch – über Generationen hinweg?
23.09.2025 | Rubrik: Gemeindebau | 3.5 Minuten Lesezeit | Autor: Tobias Bendig
Diese Frage führte eine Reisegruppe bestehend aus Lisa und mir, Tobi, aus dem Team Young Generation, Verbandsverantwortlichen von Viva Kirche Schweiz und der FEG Schweiz sowie einigen Pastorinnen und Pastoren im vergangenen Juli nach Singapur zur Heart of God Church (HOGC).

Eine Kirche mit Jugendlichen – für Jugendliche

Die Reise begann nicht mit einem Flugticket, sondern mit einem Buch: GenerationEN – Mach deine Kirche jünger und stärker, geschrieben vom Gründerehepaar der HOGC, Pastorin Lia und Pastor How. Es schildert, wie eine Kirche Jugendliche nicht nur betreut, sondern konsequent zu Jüngern macht. Febe Olpen, eine Kollegin aus dem internationalen Orange Leben Netzwerk hatte die HOGC besucht und war so begeistert davon, dass sie deren Buch auf Deutsch übersetzen liess und mir gleich zum Lesen gab. Mich hat es vom ersten Moment gepackt. Die Einblicke machten so neugierig, dass wir das Buch zusammen als Team lasen und ich mit Josias im vergangenen September an der BFP-Konferenz in Deutschland teilnahmen, wo Pastor How und Lia mit einem jungen Team persönlich vom Herzschlag und dem Leben ihrer Kirche berichteten. Das weckte den Wunsch, diese Bewegung direkt vor Ort kennenzulernen.
Die Heart of God Church wurde vor 25 Jahren gegründet und ist eine moderne Freikirche im Stadtstaat Singapur mit über 5000 Teilnehmenden an einem Wochenende. Es ist faszinierend, wenn man in ihren Gottesdienstsaal kommt mit der grossen Bühne in Kreuzform und den vielen LED-Wänden. Mich beeindruckte aber in erster Linie nicht ihr Wachstum, die Grösse, sondern ihre Prinzipien. Leitsätze, die in jeder Kirche umgesetzt werden können wie z.B.: «Jugendliche sind Leiter von HEUTE, nicht erst von morgen.» In der HOGC leben sie das. Pastor How und Pastorin Lia sowie alle Verantwortlichen investierten sich seit 25 Jahren immer wieder neu in junge Menschen. Mehrere Beispiele von 15-, 16-jährigen, die Kleingruppen von 40-70 Personen leiten, predigen und andere in der Jüngerschaft anleiten, zeugen davon, dass dies kein leerer Spruch ist. Sie sind der Überzeugung, dass Teenies und Jugendliche nicht erst einen gewissen Reife-Grad haben müssen, um zu dienen, sondern sie dürfen schon früh eingeladen, einbezogen und beteiligt werden. Die junge Generation steht im Fokus – und bekommt Verantwortung.

Liebe für Teenager – nicht nur Zielgruppe, sondern Mitgestaltende

Damit das gelingt, setzt die Kirche auf ein fein abgestimmtes Drei-Generationen-Modell: Ein junger Teenie, der den Dienst tut, ein etwas älterer Ausbilder und ein junger Erwachsener als Supervisor arbeiten gemeinsam in einem Dienstbereich. Das ermöglicht echtes Lernen, begleitetes Wachsen und tiefe Beziehung. Cohan wurde mit sieben Jahren als Schlagzeuger Teil des Worship-Teams und diente mit zehn Jahren zum ersten Mal im Hauptgottesdienst – vor über 5000 Jugendlichen. Das geht, weil permanent, die nächst Älteren in die Jüngeren investieren und Platz für sie machen.
Entscheidend ist dabei nicht das Talent, sondern das Vertrauen, das ihnen entgegengebracht wird. Das zeigt sich auch in einem Kernsatz der Kirche: «Give them a voice, a vote, a veto.» («Gib ihnen eine Stimme, ein Stimmrecht und ein Veto.»)

Jüngerschaft im Zentrum

Beeindruckt hat uns in der HOGC auch das Herz für Jüngerschaft. Nachfolge ist für sie kein Unterrichtsformat, sondern ein beziehungsorientierter Lebensstil. Das geschieht oft im intensiven Eins-zu-eins-Kontakt. Die Pastoren leben das vor, durch gemeinsame Mahlzeiten, Sport, Gespräche oder Einsätze. „Wenn ich deine Zuneigung spüren kann, werde ich auch deine Korrektur annehmen“, sagt Pastorin Lia. Diese Kombination aus Annahme und Herausforderung prägt die Art, wie junge Menschen wachsen dürfen.
Die Teenager lernen früh, in ihrem Umfeld aufmerksam zu sein: Wer ist offen für das Evangelium? Wer möchte Jesus nachfolgen? Die Kirche spricht hier von sogenannten Menschen des Friedens – jene, die bereit sind, sich formen zu lassen und selbst zu investieren.
Die Zeugnisse der Jugendlichen auf der Konferenz waren bewegend – nicht wegen Perfektion, sondern weil sie ehrlich von Scheitern, Wachstum und tiefen Begegnungen mit Jesus berichten. „We want to build many strong disciples, not just one strong leader.“ (Wir wollen viele starke Jünger ausbilden, nicht nur einen starken Leiter.) Jüngerschaft lohnt sich – besonders, wenn man früh beginnt, an junge Menschen zu glauben.

GenerationS - weltweit

Seit einigen Jahren kommen immer mehr Kirchen zur HOGC nach Singapur, um von ihnen zu lernen und die Prinzipien in ihrem Kontext umzusetzen. Über 800 Teilnehmer aus 47 Nationen aus allen Kontinenten waren in dieser Woche vertreten. Und wir durften von einigen auch hören, was sich bei ihnen entwickelt hat. Z. B. sprach eine Pastorin aus der Ukraine aus Kriegsgebiet, wie sie dort junge Menschen befähigt, aus Brasilien berichtete ein Pastor einer grossen Kirche, was die neue Sichtweise bei ihnen angestossen hat und Pastor Simon und Pastorin Daria aus Marseille berichteten von 24 Jugendlichen, die sich diesen Frühling taufen liessen, nachdem ihre Töchter im Alter von 12–17 Jahren begannen, mit ihnen Bibel zu lesen und zu beten.

Und die Älteren?

Bei so viel jugendlicher Dynamik haben wir uns gefragt, wie es wohl für ältere Personen in dieser Kirche ist? Nun ja, die HOGC hat ca. 500 Personen über 60 Jahren bei sich. Sie investieren sich so gut sie können ebenfalls in die junge Generation. Ehepaar Teck Chuan & Suan Ling (beide Anfang 70) berichteten, wie permanent junge Menschen zu Jesus finden. Das unterstützen sie gerne, indem sie für die Jugendlichen kochen, ihre Häuser für Events der Jungen öffnen oder für eine Erweckung an ihren Schulen beten. Sie geben alles, damit viele Teenager Jesus kennenlernen, sich für ihn entscheiden und im Glauben wachsen.

GenerationS - gemeinsam im Dienst

Auch bei uns in der Schweiz sehen wir, wie Teenagergruppen wachsen und junge Menschen Verantwortung übernehmen wollen. Unsere Aufgabe ist es, ihnen Raum zu geben, sich auszuprobieren und einzubringen.
Mein Wunsch für uns als Kirchen: Dass wir die Jungen sehen, sie ansprechen, nach ihren Träumen fragen und sie darin unterstützen, was Gott ihnen aufs Herz legt. Teenager und Jugendliche sollen nicht nur willkommen sein, sondern gebraucht werden. Wir Erwachsenen sollen nicht zurücktreten, sondern Brücken bauen. Junge Menschen brauchen die Älteren als Mentoren, Beter, Ermutiger, Unterstützer und Ermöglicher.
Denn die junge Generation ersetzt die Älteren nicht – sie verstärkt sie.

Wer mehr von dieser gelebten Generationen-Vision hören und erleben möchte: Pastorin Lia von der Heart of God Church Singapur wird an der Explo Ende Dezember in Luzern live dabei sein. Eine grossartige Gelegenheit, sich direkt inspirieren zu lassen!

Bild vom Host

Tobias Bendig

Bereich Kirche+Familie

Tobias ist verheiratet und lebt mit seiner Frau und 5 Kindern in Muttenz. Er ist Pastor in der Chrischona Muttenz und Teil vom Team Young Generation. Seine Leidenschaft ist, Jüngerschaft in Kirche & Familie zu leben und zu ermöglichen.
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