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Was hat Freundschaft mit Honig zu tun? 
Was hat Freundschaft mit Honig zu tun? 
24.04.2026 | Rubrik: Gemeindebau | 3.5 Minuten Lesezeit | Autor: Nadine Hartmann
Ein wichtiger Philosoph unserer Zeit namens Pu der Bär sagt: „Ein Tag ohne einen Freund ist wie ein Topf ohne einen einzigen Tropfen Honig drin.“ Und genau das lässt sich bei Kindern wunderbar beobachten: Freundschaften sind zentral. Sie bringen Farbe ins Leben, machen Freude, lassen Abenteuer entstehen – und plötzlich vergehen Stunden wie im Flug.  

Einen Freund oder eine Freundin zu haben, bedeutet Zugehörigkeit. Man ist nicht mehr allein, sondern mittendrin im Abenteuer Leben. 

Auch die Fachliteratur greift genau das auf und bringt es auf den Punkt: 
„Freundschaft ist eine enge positive Beziehung zwischen Menschen, die Zuneigung füreinander empfinden und gerne Zeit miteinander verbringen.“ (Siegler et al. 2016). 
Sie ist durch „Sympathie, emotionale Nähe und Vertrauen“ geprägt (Rohlfs, 2010, S. 61). Diese Definitionen machen deutlich, dass Freundschaft weit über gemeinsames Spielen hinausgeht. Es geht um echte Verbindung – darum, sich gesehen zu fühlen, sich aufeinander verlassen zu können und gerne miteinander unterwegs zu sein. Was wichtige Grundlagen für die weitere Entwicklung des Kindes sind.  

Freundschaften entstehen im Miteinander 

Ein Geheimnis einer guten und vielleicht auch langen Freundschaft ist die sogenannte Reziprozität – oder anders formuliert: Tragfähige Freundschaft besteht aus gegenseitigem Geben und Nehmen. Auf eine Einladung folgt eine Gegeneinladung. Auf ein Geschenk folgt ein Gegengeschenk. Oder auch auf eine Frage folgt ein Zurückfragen. Diese Gegenseitigkeit schafft Stabilität und Vertrauen. Falls dies nicht vorhanden ist, kann es sehr schnell passieren, dass die Freundschaft einseitig wird und der Eine nur der Geber und der Andere nur der Nehmer ist. So entsteht ein Ungleichgewicht und die eine Seite fühlt sich ausgenützt. Gerade in der heutigen Zeit, wo es darum geht, dass «meine Bedürfnisse» gestillt werden müssen, ist es zentral wichtig für Kinder zu lernen, sich auf ein Gegenüber einzulassen. Damit diese Reziprozität geübt werden kann, braucht es folgende Grundlage: Regelmässige Treffen und gemeinsame Aktivitäten.  

Wo Freundschaften wachsen 

Genau diese Grundlage findet man in der Schule, in Vereinen – und eben auch in der Kirche. Hier bietet sich Woche für Woche die Möglichkeit, sich zu begegnen, gemeinsam Zeit zu verbringen und ein gemeinsames Programm zu erleben, z. Bsp. im KiGo. Das sind ideale Voraussetzungen dafür, dass echte Freundschaften entstehen können.  

Es lohnt sich, diese Perspektive auch Eltern weiterzugeben: Wenn sie sich wünschen, dass ihre Kinder Freundschaften zu Kindern aus christlichen Familien entwickeln, welche ähnliche Werte teilen, dann ist Regelmässigkeit entscheidend. Denn dort, wo Begegnung immer wieder möglich wird, kann überhaupt erst wachsen, was Freundschaft ausmacht. 

On-Off in der Kindheit 

Freundschaften entstehen am einfachsten in den Kinderjahren. Ein Kleinkind ab ca. drei Jahren ist fähig, über Spielen eine Kontaktaufnahme zu anderen Kindern aufzubauen. Diese freundschaftlichen Begegnungen sind meistens kurz und können durch eine Ablenkung sehr schnell wieder vorbei sein. Doch was bereits in diesem Alter erstaunlich ist: In einem Raum voller Leute, ziehen sich Kleinkinder magisch an. Sie wollen in eine gemeinsame Interaktion treten.   

Im Schulalter rückt die Freundschaft stärker in den Fokus. Über die Schule, durch Hobbys oder in der Nachbarschaft begegnen sich Kinder regelmässig. Sie tauschen sich aus, helfen einander, entdecken gemeinsame Interessen und entwickeln ähnliche Einstellungen. Gegenseitiges Vertrauen wächst und Loyalität gewinnt an Bedeutung. Gleichzeitig stehen Freundschaften in diesem Alter oft noch auf wackligen Füssen: Missverständnisse entstehen schnell, Streit gehört dazu und manchmal geht man sich danach erst einmal aus dem Weg. Wie es dann weitergeht, hängt stark davon ab, ob es den Kindern gelingt, wieder aufeinander zuzugehen, oder ob sich ihre Wege trennen. Dabei orientieren sie sich stark an dem, was sie bei ihren engsten erwachsenen Bezugspersonen beobachten: Suchen diese nach einem Konflikt die Versöhnung, lernen Kinder genau das. Wird hingegen eher Abstand gehalten, übernehmen sie auch dieses Verhalten. 

Gerade bei Jungs lässt sich zudem beobachten, dass Kontaktaufnahme auch über körperliches Kräftemessen oder spielerische Raufereien geschieht. Findet dies in einem guten und begleiteten Rahmen statt, kann dafür durchaus Raum gegeben werden. Wichtig ist jedoch, klare Grenzen zu setzen, damit niemand ausgeschlossen oder von mehreren bedrängt wird. 

Wenn es ernster wird 

In der Preteens- und Teeniephase erreicht Freundschaft eine neue Qualitätsebene. Der Einfluss des besten Freundes oder der besten Freundin ist hoch, teilweise gleich hoch oder sogar höher, als derjenige der Eltern. Teenies verbringen sehr viel Zeit (offline und online) miteinander und reden praktisch über fast alles, was sie erleben. Mädchen und Jungs machen sich in diesem Alter gemeinsam Gedanken darüber, wie anstehende Aufgaben oder Herausforderungen bewältigt werden können – manchmal mit erstaunlich realistischen Ideen, manchmal eher abenteuerlich. 

Grundsätzlich bilden folgende Faktoren eine gute Grundlage für eine Freundschaft: dass man sich miteinander wohlfühlt, einander vertraut und ernst nimmt. Seine Gefühle zeigen zu können, ohne sich verstellen zu müssen. Gemeinsame Fantasiewelten und bewusste Abgrenzung von anderen Kindern und Erwachsenen schaffen einen eigenen Raum, der verbindend wirkt. Gleichzeitig gehört es dazu, Konflikte auszuhalten, Lösungen zu finden und daran gemeinsam zu wachsen. 

Wenn gute Freundschaften zum Segen werden 

Zurück in unser Kirchensetting: Wenn im Kinderbereich Freundschaften entstehen, prägt das die Gruppendynamik unserer Angebote nachhaltig. Und zwar nicht nur im Moment, sondern auch mit Blick auf die spätere Teenie- und Jugendarbeit. Wo verlässliche und tiefe Freundschaften wachsen, können sie gerade in der herausfordernden Pubertätszeit zu einem wichtigen Halt werden. Darüber hinaus kann aus solchen Freundschaften auch Bewegung entstehen, die über die Kirche hinausgeht. Ein Beispiel dafür ist die Heart of God Church in Singapur – eine Grosskirche, die aus einer Gruppe von Teenagern entstanden ist. Es muss jedoch nicht immer gleich so gross werden: Auch hier in der Schweiz lassen sich aktuell Bewegungen beobachten, die von Jugendlichen aus der Kirche heraus entstehen. Was für eine Hoffnung darin liegt. 

Zum Schluss

Vielleicht unterschätzen wir manchmal, was wir jede Woche mitgestalten. Es geht nicht nur um Programme, nicht nur um Inhalte, nicht nur um einzelne Stunden am Sonntag. Es geht um Beziehungen. Um echte Verbindungen. Um Freundschaften, die Kinder prägen – manchmal ein Leben lang. 

Lasst uns dieses Potenzial bewusst nutzen. Lasst uns Räume schaffen, in denen Kinder sich sehen, sich begegnen, sich kennenlernen und in denen Vertrauen wachsen kann. Lasst uns Zeit nehmen für Gespräche, für gemeinsames Erleben, für echtes Miteinander.  

Wir begleiten nicht nur Kinder – wir prägen Gemeinschaft. 
Wir gestalten nicht nur Angebote – wir ermöglichen Freundschaften. 
Und vielleicht sind es genau diese Freundschaften, die Kinder tragen – im Glauben und im Leben. 

Dieser Beitrag war ein Teil des Fachvortrags vom diesjährigen HLT zum Thema Freundschaft. Das HLT findet jährlich im Frühjahr statt und lädt alle ehrenamtlichen Hauptleitenden oder auch Angestellten aus dem Kleinkinder-, Kinder- oder auch Preteeniebereich ein. Bist du ein Hauptleitender aus diesem Bereich und hast bis anhin die Einladung nicht erhalten, dann melde dich bei

Bild vom Host

Nadine Hartmann

Bereich Teenie

Nadine ist verheiratet und lebt in Beinwil am See. Sie ist Sozialpädagogin und arbeitet zum einem im Team Young Generation mit Schwerpunkt Teenagerarbeit mit und zum anderen als Kinder- und Jugendarbeiterin in der Fabrik Chile Beinwil am See. Sie liebt es die Entwicklung eines Kindes zu beobachten, besonders die ihrer „Gottikinder".
Was hat Freundschaft mit Honig zu tun? 
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